Im Namen der Farbe : Teresa Casanueva und Skadi Engeln in der Galerie Konvex 99, 5. November 09
Im satten Farbton einer reifen Orange verglüht die Sonne. Lichtsplitter davon dringen durch eine grüne Wiesenfläche. Ein schwerer grauer Himmel liegt wie ein regennasses Tuch über dem Land.

Die Bilder von Skadi Engeln und Teresa Casanueva in der Galerie Konvex 99 beleben die funktionale Umgebung aufs Schönste. Die Räume der Zentralkonsum eG sind mit strapazierfähigem grauem Teppichboden ausgelegt, Verwaltungsgänge, die, in unprätentiösem, strahlendem Weiß gestrichen,  dem Auge nicht viele Reize bieten. Um so besser kommen die intelligent gehängten Bilder der beiden Künstlerinnen zur Geltung.

Die 1963 in Havanna geborene Teresa Casanueva zeigt trickreiche Druckbilder mit allerlei geschickt geschichteten, abstrakten Formen. Als 1989 die Mauer fiel, war Teresa Casanueva eine der 24 Künstlerinnen, die 1990 die mittlerweile unter Denkmalsschutz stehende ‚East-Side-Galery’ verwirklichten. Die East-Side Gallery ist das längste Stück Mauer, dass sich noch im Originalzustand an seinem Originalstandort befindet.
Das Wandbild von Teresa Casanueva zeigt knospende Triebe, die vor einer hellen Fläche in den Himmel wachsen. Es ist wohl keine Überinterpretation zu sagen, dass die Pflanzen die zarten Triebe der Hoffnung auf einen demokratischen Neubeginn im ehemals sozialistisch regierten Ostteil der Stadt symbolisieren. Teresa Casanueva eröffneten sich mit dem Fall der Mauer völlig neue Perspektiven in einem Gesellschaftssystem, dass sich grundsätzlich von demjenigen unterschied, in dem sie bisher gelebt hatte.
Mit raffiniert konstruierten Kartondrucken zieht die Künstlerin den Betrachter nun in den Bann. Sie überrascht mit zur Unkenntlichkeit vergrößerten Kuchen und Liebesperlenbildern.

Skadi Engeln dagegen gibt Einblicke in von Licht durchtränke Landschaften und verschwimmende Wiesen- und Wolkenformen. Die Farben scheinen zu schweben. Flirrende Flächen überlagern sich zu vermeintlichen Traumlandschaften, keine narrativen Elemente stören.
Obwohl die Landschaften letztlich abstrakte Kompositionen sind, weist Engeln weit von sich eine ungegenständlich arbeitende Künstlerin zu sein. Die unmittelbare Bezugnahme auf die erkennbare Landschaft ist der Malerin wichtig. „Das erkennt man doch“, so ihr erstaunter Ausruf mit dem sie auf entsprechende Fragen reagiert. Allerdings kann der Betrachter gelegentlich Ackerfurchen, Wälder und Grasnaben bei den geschickt komponierten Flächen Engelns assoziieren. Aber es scheint doch relativ abwegig, anzunehmen, sie hätte sich die Detailversessenheit eines Brueghel oder Friedrich oder die symbolistische Sichtweise auf die Landschaft der Romantiker zum Vorbild genommen.

Ihr geht es um den Klang, die schwebende Luzidität der Flächen, das Angedeutete. Hier steht sie einer modernen Tradition, die auf Maler wie Gotthard Graupner oder Mark Rothko verweist. Auch ihnen ging es darum, den Klang der Farbe von einer überfrachteten Symbolhaftigkeit zu befreien und den Betrachter einzuladen, sich auf die originären Farbwerte einzulassen.

Die Ausstellung führt vor Augen, dass die oftmals belächelte, ungleiche Symbiose von Kunst und Kommerz erfreuliche Früchte tragen kann. Das zeigen viel beachtete Präsentationen in der deutschen Guggenheim, aber auch kleine Schauen wie die von Skadi Engeln und Teresa Casanueva in der Galerie Konvex 99. Kunst, die der Schönheit und der Wahrheit verpflichtet ist, kann Perspektiven und Ausblicke in eine Geschäftswelt transportieren, die meist dem nüchternem Rechenexempel unterworfen ist und nur selten eine schöpferische Perspektive eröffnet.

Text: Richard Rabensaat

Fotografie & Webdesign: Jens Schünemann